Antrag an die Denkmalschutzbehörde des Landes Berlin

Wir, die Mieter des Hauses Kavalierstraße 19/19a, 13187 Berlin, stellen hiermit den Antrag, das genannte Haus bezüglich seiner Denkmalschutzwürdigkeit zu prüfen.

Begründung

Es handelt sich um ein Eckhaus, dessen baulich-künstlerische Gestaltung im Verein im Ensemble mit umgebenden Wohnhäusern vielfältige zeitgeschichtliche Bezüge konserviert.

  1. Das Wohnhaus ist als Eckbau mit künstlerisch gestalteten Fassaden-Ornamenten realisiert worden, die die jeweils gegenüber liegenden Fassaden spiegeln. Das gegenüberliegende Denkmal besitzt zwei Putten, die von einer Putte auf unserem Haus wieder aufgegriffen wird. Das Haus gegenüber dem Aufgang Kavalierstr. 19a besitzt im Eingangsbereich Kannelierungen und Erker, zwei gestalterische Elemente, die ebenfalls von der Fassade aufgegriffen werden. Der Ensemble-Charakter tritt hier folglich klar hervor und ist aus unserer Sicht im Sinne des Erhaltungsinteresses der Allgemeinheit schützenswert.
  2. Besonderen zeitgeschichtlich-dokumentarischen Wert besitzen die hofseitig gelegenen Dienstbotenaufgänge. Sie dokumentieren im Sinne eines städtebaulichen Symbols die rigiden sozialen Strukturen des frühen 20. Jahrhunderts, als Dienstboten der Aufgang über die Haupttreppe versagt war.
  3. Das Haus verfügt über zahlreiche, teils hervorragend erhaltene Rudimente einer avantgardistischen Haustechnik. Der Bauherr ließ das Wohnhaus bei Errichtung als eines der ersten Häuser Berlin-Pankows elektrifizieren und mit einer Zentralheizung sowie einem hausweiten Staubsaugersystem ausstatten. Heizleitungen, Heizkörper in Jugendstil-Manier sowie Staubsaugerleitungen sind original erhalten. Darüberhinaus verfügen die Wohnungen des Hauses über die für Berlin typischen historischen Doppelkasten-Holzfenster; sie sind zudem größtenteils mit sehr speziellen, verzierten Original-Parketten ausgestattet.

Diese zeitgeschichtlichen Bezüge repräsentieren nicht zuletzt den sich bis in die jüngste Vergangenheit verstetigenden sozial-kulturellen Stellenwert des Wohnhauses Kavalierstr. 19/19 a als Wohnstätte des engagierten Bürgertums – wurde doch das für die Initiierung der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten hochbedeutsame „Neue Forum“ in diesem Haus gegründet.

Dringlichkeit des Antrags

Der Besitzer des Wohnhauses (GESOBAU) sieht mit der in Aussicht gestellten Modernisierung erhebliche Umbauten vor. Laut vorliegender Modernisierungsankündigung sollen folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

  1. Dämmung der Fassade
    An der straßenseitigen Fassade soll ein 6 cm dicker Dämmputz aufgetragen werden; die Putten, Löwen etc. wären somit nicht mehr sichtbar. Im Hinterhof sollen 12 cm dicke Dämmplatten verbaut werden. Darüber hinaus sollen die im Haus vorhandenen Doppelkasten-Holzfenster gegen Isolierglasfenster ausgetauscht und die Fensterbänke außen wie innen erneuert werden. In der Konsequenz bedeutet diese Maßnahme, dass architektonisch nicht angepaßte Plastikfenster eingesetzt würden, was sowohl die Außen als auch die Innenwirkung der Wohnräume (Helligkeit) in erheblichem Umfang beeinträchtigte und überdies die Gefahr späteren Schimmelbefalls in den Wohnräumen mit sich brächte.
  2. Einbau einer Aufzugsanlage
    Der Hausteil Kavalierstraße 19 soll mit einem Aufzug nachgerüstet werden. Der Aufzug würde indes in einen neu errichteten Schacht eingebaut werden – an Stelle des bisherigen Nebentreppenhauses (Dienstbotenaufgang). Das bedeutet, dass einer der historischen turmartigen Aufgänge abgerissen werden müßte, was eine erhebliche Veränderung des Hauscharakters zur Folge hätte.
  3. Austausch der Heizungsanlage im Wohnbereich
    Geplant sind die Rohrdurchführung durch Decken und Gebäudetrennwände, die Errichtung eines Zweirohrsystems auf Putz sowie die Erneuerung der Heizkörper. In der Konsequenz bedeuteten diese Maßnahmen, dass sämtliche in den Wohnungen vorhandenen gußeisernen Originalheizkörper mit den zugehörigen, unter Putz verlegten Zuleitungen durch moderne Flachheizkörper und über Putz verlegte Zuleitungen ersetzt würden. Diese Maßnahme brächte mithin nicht nur eine Verschlechterung der im Haus realisierten historischen technischen Lösungen mit sich; sie richtete zudem erheblichen Schaden hinsichtlich des Anmutungscharakters der Wohnräume an.

Abschließende Bemerkung

Beredte Zeugen der historisch-kulturellen Entwicklung unserer Städte sollten in ihrem überkommenen Charakter erhalten werden! In diesem Sinne müssen sich notwendige Maßnahmen zur Modernisierung und die Erhaltung des Schützenswerten keineswegs ausschließen. Wir meinen daher, dass die denkmalpflegerische Würdigung des Wohnhauses Kavalierstraße 19/19 a auch für die uns in Aussicht gestellten Modernisierungsmaßnahmen den richtigen Rahmen absteckte.

 

Mit freundlichen Grüßen

die Mieter und der Verein zur Bewahrung historisch-wohnkulturell bedeutender Gebäude in der Kavalierstraße, Berlin Pankow